Archivmodus – Persönliche Kommunikation
Mykon, 3. September 2065
Ich schreibe dir vom Dach. Es ist früh, noch kühl. Die Sonne steht flach, und der Nebel hängt in den unteren Terrassen. Ich gieße gerade die Feigenbäume. Sie wachsen schneller, als wir dachten.
01:33
Feigenbäume? Auf dem Dach?
01:34
Auf der dritten Terrasse. Über mir kommen noch sieben.
Die Gebäude wachsen stufenweise, weißt du. Jede Etage hat Erde, richtige Erde, kein Substrat. Der Pilz bildet nur die Struktur, das Tragwerk. Den Rest machen wir.
01:35
Du schreibst „wachsen“. Ich stolpere immer über dieses Wort. Wer baut denn eure Häuser?
01:36
Niemand im klassischen Sinn. Unsere Gebäude sind anders, du musst dich von alten Vorstellungen lösen.
Über Jahrhunderte entstanden Häuser additiv, Stein auf Stein oder Brett zu Brett, an diesem Grundprinzip der Architektur hat sich über Jahrhunderte nichts geändert.
Wir lassen unsere Siedlungen wachsen. Wir legen das Myzel aus, programmieren die Wachstumsrichtung, die Dichte, die Lastzonen. Dann dauert es Wochen.
Die Volumen dehnen sich aus, lautlos, wie bei einem PU-Schaum, wenn die zwei Komponenten vermischt werden. Eines Tages ist eine Wand da, wo gestern noch keine war.
01:38
Und wenn etwas schiefgeht?
01:39
Dann schneidet man es zurück.
Oder lässt es stehen.
Nicht alles muss perfekt sein.
01:40