Archivmodus
Titelbild
Was bringt berauschende Musik mit emotionalem Tiefgang, wenn keiner sie hört? Y Æ A-25 fand eine elegante Lösung, die ihn zu unermesslichem Reichtum führte.
Y-CORP/ Dokument

Das System Y-Corp:
Die Anfänge von Y Æ A-12

Heute reiben wir uns die Augen und stellen uns die Frage, wie Y-Corp es schaffen konnte, diesen Reichtum und Macht in einem einzigen Unternehmen zu konzentrieren, ohne dass ein Aufschrei durch die Gesellschaft ging und Y Æ A-25 bei seinen Machenschaften gestoppt wurde.

Von Jörg Wesser (Text) und Tatiana Teryoshin (Illustration) · 14.02.2048

Diesen Beitrag anhören

Blenden wir zurück zu den Anfängen von Y Æ A-25, dem Sprössling der Dynastie der Elonisten, der heute als Mastermind alle Strippen der größten Unternehmung der Welt zieht. Galt er zuerst als das schwarze Schaf der Familie, arbeitete er sich von unten hoch, generierte mit seinem Start-up „Sound-Factory“ ein erstes Vermögen, erlangte die Anerkennung des Vaters und erwies sich schließlich als würdiger Nachfolger.

Seine Karriereträume als Musiker fanden bereits bei der Aufnahmeprüfung an der Akademie ein jähes Ende. Als Hobbymusiker begann er, mit KI Soundgeneratoren Songs zu produzieren. Nur fanden sie keine Zuhörer. Das Problem war nicht die Qualität, die Songs waren durchaus überraschend und bezirzten durch emotionale Tiefe, das Problem war die schiere Menge: Y Æ A-25 lud täglich mehrere tausend Songs auf Musikplattformen. Das fehlende Publikum störte ihn nicht weiter, im Gegenteil – er entwickelte eine Strategie, die später als Blaupause bei den Geschäftspraktiken von Y-Corp immer wieder zur Anwendung kommen sollte. Er schuf künstliche Zuhörer. Von einem verzweigten Netzwerk, von überall auf der Welt griffen Bots auf die Streamingdienste zu und hörten seine Songs. Y Æ A-25 generierte mit den Tantiemen, die die Streamingdienste pro Zugriff entrichteten, sein erstes Vermögen. Und er trieb die Streamingdienste in den Ruin, die Aktienkurse fielen in den Keller, bis er sie kurz vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens mit dem Geld, das ihnen fehlte, übernehmen konnte.

Natürlich rief das die Kartellbehörde auf den Plan, die Aktion verstieß auch gegen diverse Reglementierungen des Europan digital Act. In mehreren Ländern eröffnete die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung.

Y Æ A-25 gründete Y-Corp und wehrte sich vehement mit allen juristischen Mitteln. Nicht mit einer Heerschar von kostspieligen Juristen, Y-Corp ließ Lemniskate ∞ © (vormals Eunomia) die Gutachten erstellen.

Das Problem war nicht die Qualität, die Motionen schliffen jede Spitzfindigkeit zu juristisch wasserdichten Argumenten, das Problem war die schiere Menge: Die Gerichte, seit Jahren am Rande ihrer Kapazität, kollabierten unter der Last der Eingaben. Täglich landeten Dutzende von neuen Beweisanträgen, Ausstandsbegehren für befangene Richter, Beschwerden gegen Verfahrenshandlungen, Begehren für Fristerstreckung, Berufungen und Revisionen auf den Schreibtischen der Richter, die in den Mühlen der Justiz versandeten, da kein Mensch es schafft, in einem Arbeitstag Tausende von Seiten zu lesen.

Zu keinem Zeitpunkt kam es zu einer Verurteilung von Y-Corp. Aber Y Æ A-25 hatte einen vielversprechenden Ansatz gefunden, die Kontrollinstrumente der staatlichen Institutionen auszuhöhlen, um Reichtum und Macht ungehindert zu akkumulieren.

Doha: Blade Runner
Richter bei der Arbeit.

Hinweis: Archivmodus / statische Ausgabe.